|
Befiehl du deine Wege...
Während meines Theologiestudiums musste ich das Lied „Befiehl du deine Wege“ auswendig lernen – das fiel mir besonders schwer, weil mir die deutsche Sprache noch neu und die alte, poetische Ausdrucksweise des Liedes ungewohnt und schwierig war.
Damals entwickelte ich eine gewisse Distanz zu diesem Lied; es wirkte auf mich fremd und ich konnte keinen unmittelbaren Bezug dazu herstellen. Doch Jahre später, in einer Lebensphase voller Unsicherheit, wurde mir genau dieses Lied zum Trost.
Die Worte Paul Gerhardts trafen mich tief: „Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt, der allertreuesten Pflege, des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.“
Was mir damals herausfordernd war, wurde mir später zur Quelle des Vertrauens. Das Lied ist an Psalm 37,5 angelehnt:
Lass den Herrn deinen Weg bestimmen! Vertrau auf ihn! Er wird es schon machen. Psalm 37,5
Gott, der den Himmel lenkt und den Winden Bahn gibt, findet auch für uns Wege – selbst dort, wo wir keine sehen.
Dieses Vertrauen stärkt uns nicht nur in persönlichen Krisenzeiten, sondern auch, wenn wir spüren, dass uns etwas fehlt und unser Herz unruhig ist. Diese Unruhe entspringt unserer inneren Distanz zu Gott. Deshalb ist es wichtig, sich auf diese Zusage einzulassen, Vertrauen zu entwickeln und Erfahrungen zu sammeln, wie Gott uns begleitet und wir seine Liebe und Gnade erleben können.
Vielleicht ist der November ein guter Moment, sich neu daran zu erinnern: Befiehl dem Herrn deinen Weg und hoff auf ihn – er wird’s wohl machen.
Herzliche Segenswünsche
Mihal Hrcan, Pastor |